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Hintergründe zum Jakobusweg "Zwischen Städten und Klöstern" - Forscher Martin Kreder im Interview - HVP141


Die markierten Jakobswege auf der Schwäbischen Alb und im Umland sind zahlreich. Die häufigste Markierung ist die gelbe Strahlenmuschel auf blauem Grund - die Farben Europas. Die Stelle, wo die Strahlen zusammenlaufen, also am Knoten, gibt auch meist die Wegrichtung an. Doch woher weiß man heute, wo die Pilger früher entlang liefen? Für diese und weitere Fragen war ich zu Gast bei Martin Kreder in Heidenheim. Er hat den Jakobsweg von Ansbach nach Ulm erforscht und ihn mit dem Titel Jakobsweg "Zwischen Städten und Klöstern“ ausgeschildert und später mit der Schwäbischen Jakobusgesellschaft zusammen beschrieben.

 

Herr Kreder, wie kamen Sie überhaupt zum Pilgern auf den Jakobswegen? 

 

 

 

Ich ging schon früher gern mit Freunden wandern und stieß, als die Wanderungen immer kürzer wurden, auf die Ikone des Süddeutschen Jakobsweges Gerhilde Fleischer aus Isny, die mit der Deutschen Jakobusgesellschaft einen alten Weg erforscht und vor 25 Jahren neu entwickelt hatte. Das sprach mich an und so unternahm ich mit ihr viele Wanderungen. Auch ich ließ mich auf die Geschichte des Weges ein und war fasziniert. 

 

Wie kamen Sie auf die Idee, dass die Pilger früher auch durch Heidenheim gezogen sind?

 

Hier im Brenztal hat man die Möglichkeit die Schwäbische Alb recht eben zu durchqueren. Das haben schon die Mammuts und auch die Römer gewusst und genutzt. So war mir klar, dass auch Pilger diese unkomplizierte Strecke gegangen sein müssen. 

 

Wie sind Sie bei der Erforschung der Wege vorgegangen?

 

Ich wanderte die Strecke mehrfach ab und begann nach Pilgerzeugnissen zu suchen. Das waren Dokumentation von Pilgerübernachtungen z.B. in Klöstern wie Ellwangen und Königsbronn, ich stöberte in Bibliotheken, erforschte Kirchen mit Reliquien, saß in Gemeindearchiven, suchte nach Wappen mit Pilgersymbolen und Muschelzeichen in Orten. Auch Pilgerspitale, Ablassbriefe und Aufzeichnungen aus Klöstern über Pilgerführsorge gaben mir Hinweise darauf, dass Pilger dagewesen sein müssen. Man kann davon ausgehen, dass überall, wo es z.B. bekannte Reliquien wie Nägel vom Kreuz Jesu in Feuchtwangen gab, auch viele Pilger wallfahrten. 

 

Wie haben Sie den Weg dann zwischen zwei bekannten Pilgerstationen gelegt?

 

Mir war klar, dass ich zur Schonung der Landschaft nur bestehende Wanderwege nutzen kann. Natürlich trifft man so nicht ganz genau die Traditionsstrecke von vor 500 Jahren oder noch älter, weil da heute Bundesstraßen oder gar Autobahnen verlaufen. Somit haben wir immer die nächstgelegenen Wanderwege genutzt z.B. den Hauptwanderweg 4, ein Nord-Süd-Klassiker des Schwäbischen Albvereins. 

 

Haben Sie den Weg dann allein ausgezeichnet?

 

Als mir der Weg klar erschien, wurde die Schwäbische Jakobsgesellschaft zu meinem Partner. Ich brauchte jemanden, der mich bei der Beschilderung und der Pflege auch über meine Möglichkeiten und für die Zukunft hinaus unterstützt und in Generationen denkt. Geschäftsführer Michael Dillmann (seit 2018 ausgeschieden) war ab da voll mit im Spiel. Wir haben im Ehrenamt mit Landkreisen, Städten, Gemeinden, Forstämtern und Kirchen zusammengearbeitet, die Markierung gezahlt und einen Pilgerführer geschrieben. Die Touristiker am Weg zwischen Ansbach und Oberdischingen finanzierten zusätzlich ein Faltblatt.

 

Wo kann man übernachten, wenn man auf dem Weg unterwegs ist?

 

Am besten fragt man bei den jeweiligen Kirchgemeinden nach. Manchmal gibt es Verzeichnisse mit Privatpersonen, die Pilger aufnehmen und die von der Kirche vermittelt werden. In Oberdischingen kann man im Cursillo Haus - einer Pilgerherberge und Seminarhaus - übernachten. Weiter Übernachtungshinweise gibt es im Wegführer, den ich zusammen mit Michael Dillmann geschrieben habe. Dieser ist bei der Schwäbischen Jakobusgesellschaft unter info@haus-st-jakobus.de für 9,90 € plus Porto zu bestellen.

 

Wie geht es mit dem Weg heute weiter?

 

Im Mai/Juni gibt es jährlich eine Pilgergruppe, die von der Schwäbischen Jakobusgesellschaft organisiert, den Weg abwandert, Markierungen freischneidet und nachbeschildert, denn es werden Schilder gestohlen oder auch mal von einem Traktor umgefahren. Diese Tour bringt meistens viel Freude und Spaß. Unterwegs finden in den Übernachtungsorten morgens täglich kurze Andachten mit den jeweiligen Ortspfarrern statt. Es können auch Tagespilger mitgehen. Größere Markierungsprobleme wie umgeworfene Schilderbäume werden übers Jahr von bisher zwei Pilgerpaten repariert. 

 

Was ist Ihre Lieblingsgeschichte bei der Erforschung des Weges?

 

Es sind die kleinen Dinge wie Einladungen zum Kaffee während Regen-Etappen, Hilfe von Pfarreien und das Lob, auch von Fachleuten, über den Weg. Oder zum Beispiel war ich bei der Suche nach Pilgerzeugnissen in Leutershausen unzufrieden, weil ich nichts pilgergerechtes finden konnte und stieß dann im Schloss Rammersdorf auf die Pilgerfamilie von Eyb und zusätzlich die fast vergessene ehemalige Pilgerkapelle Büchelberg. Das brachte mir große Freude, so wie die beiden 1647 in den Stadtrechnungen von Heidenheim erwähnten Jakobsbrüder. Diese müssen sich auf der Rückreise befunden und eine Muschel aus Santiago bei sich getragen haben, denn man erkannte Jakobspilger sonst meist nicht und bezeichnete sie nur als "Fremde". 

 

Welche Worte wollen Sie „unseren“ Pilgern mit auf den Weg geben?

 

Es sind nicht die Kilometer, es ist die Zeit, die man für sich hat und wer verliebt ist in Natur, Kultur, Land und Leute, der wird unterwegs bekommen, was er sich wünscht!

 

Hier findest du Informationen zu der Pilgerreise von Norddeutschland nach Einsiedeln in der Schweiz für 2021: marburger-kreis.de/pilgern2021

 


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