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Albnah das neue Modelabel aus Neidlingen - Inga und Florian im Interview zu ihrer Kleidung aus Merinowolle - HVP146



Aus der Idee aus der Wolle der eigenen Schafe Pullover herstellen zu lassen, entwickelte sich bei Inga Rubens und Florian Kirchner mehr. In Kooperation mit der Schäferfamilie Burkhardt aus Neidlingen gründeten sie ihr Modelabel albnah und lassen über einen kurzen Produktionsprozess Jacken und Westen aus Merinowolle herstellen. Diese ist feuchtigkeitsregulierend, isolierend, kratzfrei, geruchsneutral und selbstreinigend - der perfekte Begleiter für den Alltag, die Arbeit und für Wanderungen.

 

Wer steckt hinter albnah?

 

Inga Rubens und Florian Kirchner wohnen in Neidlingen und kommen beruflich aus einer ganz anderen Schiene als der Schafzucht. Beide sind selbstständig: Inga als Sozialpädagogin und Florian als Imker und Baumpfleger. Zu den Merinoschafen kamen sie eher zufällig. Vor 3 Jahren begannen sie selbst Schafe zu halten und dann lag der Gedanke nahe, die eigene Wolle zu verwerten. Pullover sollten es werden. Die Dinge nahmen ihren Lauf und verselbstständigten sich etwas, wie Inga sagt. 

 

Im Gespräch mit der Schäferfamilie Burkhardt aus Neidlingen entstand die Idee, die Merinowolle nicht nur für den eigenen Gebrauch zu verarbeiten, sondern die Wolle der Burkhardts hinzuzunehmen und Produkte für den Verkauf herstellen zu lassen. Ausschlaggebend war unter anderem die Erkenntnis, dass die Merinowolle, die in Deutschland verkauft wird, hauptsächlich aus China, Neuseeland und Australien eingeführt wird und die Wolle der heimischen Schafe ungenutzt bleibt.

 

Die Verbindung zur Familie Burkhardt besteht neben der "Nachbarschaft" in Neidlingen darin, dass Inga die Flaschen-Lämmer aufzieht und ihr Sohn Christian bei den Burkhardts ein Praktikum im Schafe Hüten machte.

 

Was macht der Alb-Schäfer mit seiner Wolle?

 

Durch den hohen Importanteil "sitzen" die Schäfer auf ihrer Wolle. Sie ist zu einem Abfallprodukt geworden und bringt weniger ein, als der Scherer pro Schaf berechnen muss. Früher waren Schäfer wohlhabende Menschen, denn die Wolle war geschätzt, doch heute sind die Schäfer auf Subventionen angewiesen und das nicht zu knapp.

 

Als das Merinoschaf vor 200 - 300 Jahren auf der Alb angesiedelt wurde, war auch die Tuchindustrie ausgeprägt vorhanden. Heute gibt es in Deutschland kaum noch Tuchfabriken.

 

Darum haben es sich albnah zum Ziel gesetzt, die Wolle für ihre Produkte ausschließlich regional einzukaufen und dem Schäfer einen fairen Preis zu zahlen. Neben dem Finanziellen sind die beiden mit im Stall beim Scheren und helfen, wo sie können. 

 

Das Scheren der Schafe muss übrigens sein, weil die Tiere im Winter im Stall sonst wahnsinnig schwitzen würden. Früher zog der Schäfer im Winter mit seiner Herde gen Süden z.B. nach Oberschwaben und es gab ausreichend Wiesen zum Weiden. Die Schäfer waren gern gesehene Gäste und auch die Schafe waren geschätzt. Heute funktioniert die Wanderschäferei fast gar nicht mehr, da zu viel zugebaut wurde. Wiesen verschwanden oder werden mit Gülle besprüht, was sie ungenießbar macht und die Bauern wollen die Schafe einfach nicht mehr. Somit bleibt dem Schäfer nichts anderes übrig, als die Tiere im Winter über 5 Monate im Stall zu halten und zu füttern. Die Kosten sind immens im Vergleich zum kostenfreien Futtern und Hausen auf den Weiden. 

 

Für die Weiterverarbeitung ist die Wolle der Schafe von der Weide ideal, da sie nur wenig verdreckt ist. Im Stall bleiben viel mehr Teile darin hängen, die die Qualität schmälert. Ein Schaf gibt ca. 4 Kilo Wolle, von denen nach dem Waschen ca. die Hälfte verbleiben.

 

Der Prozess von der Wolle zur Jacke/Weste

 

Nach dem Scheren geht die Wolle für die albnah Produkte nach Österreich zum Waschen. Diese Strecke muss sie auf sich nehmen, da es in Deutschland keine große Wäscherei mehr gibt. Inga und Florian hatten es mit einer kleineren Wäscherei in Hessen versucht, doch die war den Wollmassen der Burkhardtschen Schafe nicht gewachsen. 

 

Von dort geht die gewaschene Wolle nach Forst in der Lausitz, wo sie weiter verarbeitet wird. Den nächsten Schritt nennt man Kardieren. Das bedeutet, dass die Wolle gekämmt wird und die Fasern hinterher in eine Richtung liegen, um danach zu Garn gesponnen werden zu können. Das Garn geht dann zum Weben und könnte auch zum Stricken genutzt werden. 

 

Für die Westen und Jacken wird das Garn gewebt und gewalkt, sodass Lodenstoff entsteht. Dieser Produktionsschritt passiert in Tischenreuth in Bayern.

 

Das Tuch reist auf der Rolle weiter nach Burladingen, wo die Jacken und Westen in einer Näherei genäht werden.

 

Alles in allem reist die Wolle vom Schaf bis zum fertigen Produkt 1780 km. Im Vergleich dazu reist ein "normales" Kleidungsstück ca. 40.000 km bis es beim Konsumenten ankommt.

 

Zusätzlich zur Wolle hängt noch wesentlich mehr Gehirnschmalz und Komponenten in den Kleidungsstücken von albnah. Inga und Florian durften lernen, dass man die Schnitte nicht einfach aus dem Bauch heraus anfertigen darf, denn auf bestimmt Formen, Nähte, Muster gibt es Patente, die nicht verletzt werden dürfen. Also holten sie sich Unterstützung von der Direktrice Kathrin Dettinger. Dann galt es z.B. Reißverschlüsse auszuwählen. Aus Deutschland sollten sie kommen, hochwertig und nicht aus Plastik sein. Auch keine leichte Aufgabe.

 

Was macht Merinowolle aus?

 

Merinowolle ist geruchsneutralisierend und selbstreinigend. Sie ist eine Hightech-Faser, die die Feuchtigkeit reguliert. Im Winter halt sie warm, im Sommer kühlt sie und kratzen tut sie auch nicht, wie viele denken. Die Faser der Merinowolle ist hohl, kann somit Feuchtigkeit aufnehmen und fühlt sich von außen immer noch trocken an. Das heißt Merinowolle wärmt noch, auch wenn sie feucht ist.

 

Die albnah Produkte

 

Aktuell gibt es Jacken und Weste für Damen und Herren in zwei, bald drei Farben: braun, taupe und graphit.

 

Geplant sind als nächstes Strickwaren, wie Pullover, Mützen, Schals, Wohndecken & Co.

 

Wünsche können platziert werden z.B. für Übergrößen oder bestimmte Bestickungen. 

 

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